Capsaicin (CPS) Capsaicin ist ein aus Pflanzen der
Gattung Capsicum (Paprika, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse
Solanaceae) gewonnenes Alkaloid, das nur bei Säugetieren durch Wirkung auf
spezifische Rezeptoren einen Hitze- oder Schärfereiz etwa beim Verzehr von
Paprika- oder Chilischoten hervorruft. Capsaicin und andere aus Capsicum
gewonnene, Schärfe verursachende Stoffe werden als Capsaicinoide bezeichnet.
Capsaicinoide sind farblos und können durch Kochen oder Einfrieren nicht
zersetzt werden.
Eigenschaften Capsaicinoide lösen sich in
Alkohol und Fett, aber nicht in Wasser. Sie haben antibakterielle und fungizide
Wirkung und sind somit konservierend.
Capsaicinoide reizen die
Nervenenden bestimmter Nozizeptoren, die normalerweise Schmerzreize bei
Einwirkung von Hitze oder chemischer Reizung erkennen. Die Ähnlichkeit der
Empfindung von „heiß“ und „scharf“ (engl. beides „hot“) ist bereits auf
Rezeptorebene begründet: Capsaicin bindet an den TRP-Kanal TRPV1, der auch durch
eine Erhöhung der Temperatur aktiviert wird.
Der oft schmerzhaften (aber
nur scheinbaren) Erhitzung durch Capsaicin wirkt der Organismus durch vermehrte Durchblutung des Gewebes zum Zweck der
Wärmeabfuhr entgegen, dadurch kommt es zu einer lokalen Rötung wie bei einer
leichten Verbrennung. Von diesem Umstand leitet sich der Ausdruck „brennen“ ab.
Den umgekehrten Effekt gibt es z. B. bei Einwirkung von geringen Konzentrationen
von Menthol (Hustenbonbons), die scheinbar kühlen.
Capsaicinoide, die
durch Verwendung scharfer Chilifrüchte in relativ hohen Konzentrationen speziell
in der mexikanischen, indischen, indonesischen und thailändischen Küche
vorkommen, haben aufgrund ihres Einflusses auf den serotonergen und dopaminergen
Haushalt des Nucleus accumbens eine nach dem Abklingen der Schärfeempfindung
schmerzlindernde und partiell dämpfende Wirkung. Dadurch kann eine gewisse
Toleranzbildung gegenüber scharfen Speisen – nicht nur hinsichtlich der
sensorischen Sensibilität – entstehen und damit verbunden eine persönliche
Bereitschaft, auch „alltägliche“ Speisen überdurchschnittlich scharf zu
würzen.
Umgang Die Durchblutungssteigernde
Wirkung wird auch in der Medizin (z. B. bei Wärmepflastern) eingesetzt. Vorsicht
ist beim Kontakt der bloßen Haut mit Capsaicinoiden, zum Beispiel beim
Verarbeiten von Chilischoten, geraten. Vor allem sollte man darauf achten, sich
nach Kontakt mit den Händen nicht die Augen zu reiben. Daher ist es sinnvoll,
Handschuhe zum Schutz der Haut zu tragen. Hat man daran nicht gedacht, ist es
hilfreich, die Hände vor dem Waschen erst einzufetten, um das Capsaicin zu
lösen, und anschließend gründlich zu waschen.
Falls man scharfe Speisen
zu sich genommen hat und das Brennen im Mund unerträglich wird, lindert reines
Wasser die Schmerzen nicht. Ölhaltige und emulgatorhaltige Substanzen wie
Joghurt, Milch und Käse helfen in diesem Fall schon eher. Festgestellt wurde
auch, dass eine 10-prozentige Zuckerlösung genauso effektiv ist wie Milch.
Zucker oder Tomatensaft in sehr scharfen Speisen reduzieren die Schärfe
ebenfalls. Brennen der Haut kann durch Einreiben mit Alkohol gestoppt werden.
Bei Reizung empfindlicher Körperteile hilft etwas Speiseöl.
Die Produktion des Capsaicins findet vor allem in der Plazenta und
den Samenscheidewänden der Schoten statt, sie sollten also besonders gemieden
werden. Entgegen der weitverbreiteten Meinung enthalten die Samenkörner deutlich
weniger Capsaicin, die Konzentration ist abhängig von der Nähe zu Plazenta und
Samenscheidewand. Die Aussage, kleine Chilischoten seien besonders scharf,
trifft nur begrenzt zu. Auch kann die Intensität bei Schoten der gleichen Sorte
und sogar bei Schoten, die von derselben Pflanze zur selben Zeit geerntet
wurden, variieren.
Capsaicinoide sind nur für Säugetiere (einschließlich
des Menschen) scharf, nicht aber für Vögel, deren Nervenzellen etwas anders
aufgebaut sind. Hierin liegt auch der Sinn der Stoffe für die Pflanzen: Indem
sie Säugetiere abschrecken, werden ihre Früchte vermehrt von Vögeln gefressen.
Vögel legen im Durchschnitt weitere Strecken zurück als Säugetiere und können
die Samen der Pflanze dadurch effektiver verbreiten. Zudem zermahlen die Vögel
beim Verzehr der Früchte die Samen nicht, wie es Säugetiere beim Kauen tun. Die
Samen werden also unverdaut wieder ausgeschieden und zudem noch durch den
Vogelkot gedüngt.
Messung des Capsaicin-Schärfegehalts Die
Schärfe von Chilischoten wird in Scoville-Einheiten (SCU) gemessen. Die von
Wilbur L. Scoville beschriebene Skala geht dabei von 0 SCU (keine Schärfe
vorhanden) bis maximal 16 Millionen SCU (reines Capsaicin in kristalliner Form).
Scoville bemisst die vorhandene Schärfe einer „Substanz“ (i. e. S. der
Chili-Schote oder des Extraktes) durch ihre Neutralisierung.
Das Mengenverhältnis des zur Verdünnung einer Substanz bis
zur Neutralisation ihrer Schärfe unter die Wahrnehmbarkeitsgrenze ergibt den
Scoville-Wert. Braucht man z. B. 234.000 Tropfen Wasser, um einen Tropfen einer
Sauce geschmacklich zu neutralisieren, dann hat die Sauce einen Schärfegrad von
234.000 SCU. Diese Maßeinteilung wird noch heute verwendet, auch wenn der
Capsaicin-Gehalt durch die genauere HPLC-Methode bestimmt wird.
Extreme
Schärfegrade auf der Basis von Capsaicin-Extraktion, die mit Blick auf die
Wirtschaftlichkeit i. d. R. nicht mehr nur auf rein pflanzlichem Weg erzeugt
werden, fangen bereits ab ca. 100.000 SCU an (z. B. mit dem Zusatz „pepper
enhanced extracts“).
Durch Verwendung purer Habanero-Chilis sind bereits
ultrascharfe Extrakte möglich (100.000 bis 350.000 SCU). Mit der schärfsten
Chilisorte der Welt, den indischen Naga Jolokias (s. a. Bih Jolokia =
Gift-Chili), mit einem empirischen Durchschnittswert von ca. 850.000 bis
1.050.000 SCU sind rein pflanzlich hergestellte Würzextrakte, Quellprodukte
denkbar, herstellbar und zu erwerben.
Reines, näherungsweise kristallines
Capsaicin (16 Mio. SCU - vgl. Blair’s 16 Million Reserve) herzustellen, ist sehr
aufwendig und das Produkt dementsprechend teuer
Quelle: Wikipedia.ch
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